Polit Techno

Es muss so ca 1992 gewesen sein als wir morgens um 4 bei ’ner Techno Party im Sauerland in meinem mit einer riesigen Sonne bemalten, grünen Golf saßen um dort lauwarme Getränke und Rauch zu konsumieren. Wir hörten Haardfloor oder irgendeien Bonzai Compilation von Tape . Total drüber brüllte ich Hardcorde/Emo-Punk Vokals zu den Acid Beats. Es platze der Begriff „Polit-Techno“ in den Fahrzeuginnenraum. Der Begriff war geil weil er so unendlich absurd und grotesk wirkte. Musik die zum wegtreten aus der Welt bestimmt ist mit genu dem Gegenteil zu behaften. Ich hätte nie gedacht mich 10 Jahre später genau in der kruden Wirklichkeit dieser neuen selbstgebauten „realtitätsbezwingenden“ Musikszene wieder zu finden. Während wir Hamburger sehr gezielt versuchten Sinnfrei zu bleiben weil wir uns am Absurden erfreuten, trafen mit Egotronic und Räuberhöhle 2 Bands auf uns die auch sehr lustig drauf waren, aber durchaus ernstes politisches Anliegen hatten. So hat sich ein Beat der eigentlich von der Realität weg hin zu Trance-artiger Befreiung führen sollte ganz heimlich als Grundsubstanz für etwas gänzliches Gegensinniges eingeschlichen. Natürlich haben wir das nicht erfunden. Schon viel früher haben Leute um den Goldenen Pudel Club ähnliches getan. Diverse Projekte von Schorsch Kamerun oder natürlich Knarf Rellöm macten genau das schon Jahre vorher. Was anders war. Wir hatten ein Netzwerk und benutzen das süchtig. Das Internet war von Anfang an ab ca. 1996 eine unglaublich effektive Plattform um sich zu finden und sich auszutauschen. Da wir auch keinen großen Wert auf besondere Qualität legten konnte man problemlos Dateien tauschen und damit arbeiten. Vorher war das nicht möglich. Wr hat schon wirklich jemanden die versprochenen Kassetten aufgenommen und seinem MusikKumpel 3 Städte weiter geschickt? Keiner! Auf einmal machten so viele Leute zusammen Musik und fanden sich. Es gab auch überall Fremde dieser Musik. Man fand sich übers Internet. Es gab auch in Holland und der Schweiz viele Freaks und so war es auch möglich ohne sehr großen Aufwand kleine Touren zu organisieren. Man kam gut rum und der Kram verbreitete sich deswegen auch live. Neben dem Hang zu Techno/Elektro und Punk gab es eine sehr große Affinität zu den Sounds alter Arcade Games, dem C64 oder dem Nintendo Gameyboy. Teile mit denn man mit geringstem Geldaufwand Musik machen konnte und keinen Proberaum brauchte. Auch hierfür gab es ein Netzwerk. MICROMUSIC. Dazu demnächst mehr.