Die Sache mit dem Tinnitus

Vor nunmehr 3 Jahren hatte ich einen schlimmen Gehörsturz. Nicht so in der Art das man morgens nach der Disco feststellt die Ohren pfeifen. Es war so daß ich durch eine Art Unfall der sich nicht mehr rekonstruieren lässt, taub war. Es ist möglicherweise Flüssigkeit an Stellen ins Ohr gelangt wo keine hin darf. Und seit dem habe ich einen Tinnitus der an machen Tagen so laut ist wie ein bremsender Zug am Gleis direkt vor deiner Nase. Ich habe die vergangenen Jahre gehofft er würde verschwinden. Teilweise tat er das auch. Aber es kommt eben immer wieder und das schlimmste bei der Sache ist. Ich habe höllische Angst davor es könnte noch schlimmer werden. Das wiederum verstärkt dann wieder den Stress und der Stress macht den Tinnitus noch lauter. Schlimmer als die bis 70dB lauten, schrillen, dissonanten Frequenzmodulationen zwischen 3 und 8 kHz sind eigentlich die Ohrenschmerzen die damit verbuden sind. Immer wenn ich lauter als Zimmerlautstärke Musik höre, oder wenn schlechtes Wetter herein kommt oder wenn Heuschnupfensaison ist, dann ist es wie eine Mittelohrenzüdnung. Dazu kommt auch noch Hyperakusis. Man kann sich das ohne Übertreibung in etwa so vorstellen: raschelnde Blätter an einem Bambusstrauch klingen für mich, wenn ein schlechter Tag ist, so als ob man einen Sack voll mit Glasscherben zwischen Mühlsteinen zermürbt. An guten Tagen kann ich sehr gut hören und auch gut arbeiten, aber an schlechten Tagen muss ich machnal vor Schmerzen einfach kotzen. Nach dem Kotezn geht’s dann für ne Weile besser.

Alle die sich gefragt haben warum Plemo sowie Plemo and Rampue nicht mehr auftreten. Das ist der hauptsächliche Grund.
Immer wieder mache ich den Fehler und sage einzelne Shows zu weil ich gutgläubig bin und denke es wird schon gehen. Am Ende muss ich dann den blöden Gang machen und diese Sachen auf die ich mich wirklich freue absagen. Genauso wie zuletzt die 40 Jahr Feier des Epplehaus. Vor allem dort hat es mir unendlich Leid getan weil ich den Laden mit seinen Leuten so sehr schätze.

Ich habe mir mit der Musik meinen Traum erfüllt und ich habe gegen das Anraten von „fast Allen“ immer weiter gemacht und es geschafft von der Musik zu leben. Ein zweites Standbein habe ich mir nicht aufgebaut. Ich habe nur mein kleines Tonstudio und eben Plemo. Nun betreue ich das Label UAE! Auf die Weise kann ich nahe dran bleiben. Ich produziere auch als Plemo irgdwie weiter weil ich eben einfach keinen Bock habe mich von den Ohren in die Knie zwingen zu lassen.

Es ist mir auch klar daß ich selber Schuld bin an der Situation. 3 Jahre Ausbildung zum Tischler. Immer ohne Gehörschutz. Das wurde halt auch geächtet wenn man als Lehrling Gehörschutz trug. Nicht hart genug und man konnte die Kollegen nicht hören. Na, und dann immer Proben mit der Band im kleinen Proberaum. 10 Jahre lang Arbeit als Live Tontechniker, und im Studio Schlagzeuge Mikrophonieren. Außerdem lauteste Monitore der Welt bei Plemo Shows. Ich habe das absolut selber zu verantworten. Auch ohne diese komische Unfallsituation wäre das früher oder später ähnlich gekommen. Wahrscheinlich ist sogar beides gleichermaßen für die jetzige Situation verantwortlich. Aber ungeil ist es dennoch.

Genau aus dem Grund muss ich immer wieder andere Leute und mich selber enttäuschen. Ich hoffe ich schaffe es bis November meine Platte fertig zu bekommen. Ich will dieses Hörsturz Ding einfach fertig machen. Sämtliche ärztliche Therapien haben gebracht mit der Sache leben zu können. Aber besser gemacht haben sie das Akustische- und Schmerzproblem nicht.

Ich will nicht jammern, nur einmal ordentlich sagen warum manches oft länger dauert und warum ich vieles gegen meinen Willen absagen muss.
Bis heute habe ich mich nicht getraut öffentlich darüber zu reden weil ich angst davor hatte das Vertrauen derer zu verlieren für die ich gearbeitet habe. Alles was ich noch gemacht habe und auch jetzt noch mache mache ich gewissenhaft und kann auch dafür garantieren das es der Qualität entspricht die ich abliefern will. Aber das geht eben nur an den „guten Tagen“.