LINER NOTES 002 – RY30 „Fernsehtechnik“

RY30 – Fernsehtechnik

RY30 – Fernsetechnik by plemo

Im April 1999 zog ich nach Hamburg um dort mein Hobby Tontechnik zum Beruf zu machen. Ich besuchte dort die SAE und absolvierte dort ein 9 Monate kurzen Fulltime Crashkurs. Das man in 9 Monaten kein fertiger Tontechniker werden kann ist klar. Aber zumindest glaubt man von sich einer zu sein, was einem eine gehörige Portion Selbstbewusstsein verpasst. Während des „Studiums“ hat man nicht wirklich viel Zeit sich um eigene Musik zu kümmern. Aber ich besorgte mir in der Zeit meinen ersten PC mit 400 mHz und 64mb RAM. Eine Wahnsinnskiste. Silber, laut und mit Windows 2000 sowie Logic Gold versehen. Ich konnte jetzt zum ersten Logic4 mal Audio selber aufnehmen und nachbearbeiten. Mit Compressoren, Gates und allem Schnickschnack. Was aber am geilsten war, war ein Tool names Bitcrusher das es unverändert immer noch gibt. Im Jahre 1999 formte sich auch das Portal Micromusic.net. Das gleichermaßen ein Online Label und auch ein frühes, waschechtes „Social Network“ war. Künstler konnten sich ein kleines Profil anlegen und Songs hochladen die dann von einem sagenumwobenen QFS (Quality Filter Systhem) sortiert wurden. Wenn man Glück hatte wurden sie auch veröffentlicht. Zu ähnlicher Zeit sah ich auf der MS Stubnitz einen Auftritt des Hamburgers Mikron64, später Miki Mikron, der im Grunde eine sehr frühe Form von Vocoderpop im C64 Style spielte. Von ihm und von einem Micromusic Künstler names Psilodumputer aka Psilodump war ich unfassbar beeindruckt. Sie klangen so als ob man ein C64 Soundtrack mit einfach teuren Mitteln super produziert hätte. Ein Sound den ich mir immer gewünscht hatte aber nie irgendwo gehört. Nun kommt eben auch der Bitcrusher auf den Plan. Und ich nahm alte 4-Spur Bandaufnahmen von Stücken und packte sie in meinen PC. Dort knallte ich auf fast alles Bitcrusher, Filter, Phaser, Flanger und kurze und lange Räume und mein Sound klang auch ChipTunes artig. Die Beats vertrackt bis chaotisch und anstrengend. Ich dachte aber das muss mindestens ins Mainstream Radio, so geil fand ich das. Ich konnte eh nicht begreifen wieso im Radio nicht 20 minütige Elektronik Welten den regulären 3,40min Pop Knallern vorgezogen wurden. Das eine war Musik. Das andere Scheiße mit 3-4 Ausnahmen die die Regel „Scheiße“ nur bestätigten. Im Grunde ist diese CD, die auch wieder in Eigenbau gefertig war, der genaue Übergang zu Plemo. Denn Plemo sollte ja auch sehr „gechipt“ klingen und vom Beat her eher vertrickst. 2 Jahre vergingen in denen ich bei der Hmaburger Firma TOTEC sehr viel Erfahrung als Techniker sammeln konnte und ab 2001 zog ich mit der Band Tomte als LiveMischer durchs Land. Auf einem frühen Melt! Festival traf ich Anthony Rother dessen brandneue Platte Simulationszeitalter mich auch total vom Hocker gerupft hatte. Ich drückte ihm meine „Ry30″ in die Hand und hoffte auf eine Rückmeldung. kam leider nie.
Von nun aus kann ich sagen das der Umzug nach Hamburg und das starke auseinandersetzen mit Technik meinen Sound stark beeinflusst hat. Außerdem kam in Hamburg ein gewisser zynischer, Absurdität liebender und selbstironischer Humor hinzu. Möglicherweise hängt das mit dem dort 11 Monate langen Herbst zusammen und mit der Tatsache daß in Hamburg ausnahmslos jeder Mensch sehr viel Alkohol zu trinken scheint.

Zur EP gibt es auch zwei aufwändig animierte Videos des Visual Artists LG Gold.
Zu finden hier: MEDIA

Technik:

- FOSTEX 4 Track Compact Cassette Recorder (DOLBY S)
- RY30 (YAMAHA)
- Poly 61 (KORG)
- MS 404 (DOEPFER)
- SY55 (YAHMA)
- Logic Gold (EMAGIC)
- PC 400 mHz 62mb RAM