LINER NOTES 001 – Uhrtick

In dieser neuen Serie werde ich mit etwas starten das ich schon sehr lange vor hatte. Ich will zu jedem Stück das je unter dem Namen Plemo entstanden ist und das man auch noch bekommen kann ein paar Sätze für euch notieren.
Ich versuch das möglichst chronologisch von Anbeginn 1999 bis heute zu machen.

Start!

Die ersten beiden Zusammenstellungen werde ich nur als ganzes beschreiben da sie im Prinzip eine Übergangsphase beschreiben die noch erläutert werden soll.

UHRTICK – Demo

UHRTICK by plemo

Elektronische Musik fasziniert mich schon seit meinem 5. Lebensjahr. Jean Michelle Jarre (Equniox) und Kraftwerk (Radioaktivität) waren die Platten die es im Elternhaus gab. Diese beiden Wahnsinns Meilensteine hört man bis heute noch raus. Ich werde das einfach nicht los.
Zwischen 1992 und 1998 experimentierte ich sehr viel mit verschiedenem Equipment herum. Geld war nicht viel vorhanden und daher ist die Produktion auch recht karg. Im Jahr 1996 zog ich nach Kassel und hatte dort meine erste richtig eigene Wohnung unterm Dach, wo auch sonst. Ich hatte dort sogar ein winziges Zimmer in dem ich meine Synthesizer, meinen kleinen Mixer und einen ganz frisch gebraucht erworbenen Atari 1040 STE (E !!!!!!) mit sagenhaften 4 mb Ram aufbauen konnte. Das Zimmer war so klein dass es unglaublich war das alles überhaupt aufbauen zu können. Der große Vorteil war dass ich alles mit einer Stuhldrehung erreichen konnte. Nix rollen, nur drehen. Weil es keinen, heute selbstverständlichen „total Recall“ gab war man gezwungen ein Stück in einem Zug fertig zu stellen. Entweder man war schnell, oder die Kisten mussten so lange eingeschaltet bleiben bis man fertig war. Das konnte schonmal 3 Tage dauern. Es hat aber auch geschult fertig zu werden. Eine hohe Kunst die ich heute teilweise wieder verlernt zu scheinen habe.
In diesem Zimmer fing meine Musik an rund zu werden und Hand und Fuß zu bekommen. Gute Songs hatte ich parallel auch in deversen Bands gemacht. Aber da war man nie allein am Werk. Der Sequenzer den ich benutzte war Creator von C-Lab das später von Emagic (heute bei Apple) übernommen wurde und in Notator XL umbenannt wurde. Das Programm ist Pattern orientiert und in einer vertikalen Zeitleiste aufgebaut. Ich denke das die Erfinder von Ableton Live von diesem geilen Programm inspieriert waren denn es ist in seiner Funktionsweise genau so aneglegt. Es gab halt kein Audio Sequencing, nur Midi.
Die Stücke die auf dieser EP sind sind alle an einem Tag in maximal 8 Stunden entstanden und sind von einem unvergesslichen Morgen inspiriert.
Als Sozialpädagogik Student hatte ich einen Job. 3 mal die Woche morgens von 4 bis 8 lieferte ich Backwaren an Filialen einer bekannte Bäckereikette. Auf meinem frühmorgendlichen Weg von Kassel nach Han Münden musste ich über eine Hochebene fahren. Es war sehr neblig an dem Tag und zudem hatte es in der Nacht 20 cm geschneit. Als ich auf dem höchsten Punkt der Ebene angekommen war musste ich anhalten weil ich die Straße nicht mehr erkennen konnte. Der Boden war völlig gleichmäßig weiß und unberührt da ich der erste auf der Straße war. Über dem Schnee schwebte ein Bodennebel der sich nach oben hin in ein klares Hellblau des Morgenhimmel auflöste. Man konnte auch keine Unebenheiten im Boden erkennen. Es war einfach kein Boden da. Über mir nur Himmel. Ein völlig gleichmäßiger Übergang von Reinweiß in Hellblau. Ich bin mir sicher so etwas erlebt man nur einmal im Leben. Es war als ob ich mit dem 3010er Benz auf einer Wolke Stünde.
Inspiriert von diesem Erlebnis setzte ich mich, wieder Zuhause, in mein Musikzimmer und die Uhrtick entstand. Uhrtick deshalb weil sich auf dieser „Wolke“ das Zeitempfinden aufgelöst hatte. Ich hatte ja keine Anhaltspunkt. Keine Straße, kein Vorankommen Die Zeit war nicht mehr griffig. Ich liebe sehr kurze Pulswellen und Sägezahn Sounds. Weil sie so rein und klar wirken. Was überhaupt ein reiz der elektronischen Musik für mich ist. Jedenfalls fühlten sich die Stunden in denen ich die Stücke gemacht hatte gegenüber den 15-20 Minuten die ich auf der „Wolke“ stand wie so eine kurze Pulswelle an. wie ein Tick, Ein Uhrtick. Außerdem gefiel mir die Idee von einem Ursprünglichen Drang Musik zu machen. Eienem Urtick.
Der 1. Track „Schnee“ hat die Stimmung am meisten inne. Ein recht hektischer, getriebener, unbremsbarer, eckiger aber flüssiger Beat. (Der Zeitdruck morgens beim Brötchen ausfahren) wird ab Minute 3 von einer sehr ruhigen sich endlos wiederholenden, flächigen Melodie überlagert und glatt gemacht. Das passt zu dem was ich auf der Wolke für ein glückliches Gefühl hatte.

Wenn ich das jetzt so lese kommt es mir recht esoterisch vor. Zu der Zeit hat hat es sich einfach nur logisch, konsequent, sachlich und realistisch angefühlt. Das ich mal zu ähnlicher Musik besoffen auf biergetränkten Bühnen herumbrüllen würde
hätte ich zu der Zeit auch nicht gedacht.

Technik

- FOS­TEX 4 Track Com­pact Cas­set­te Re­cor­der (DOLBY S)
- RY30 (YAMA­HA)
- Poly 61 (KORG)
- MS 404 (DO­E­P­FER)
- SY55 (YAHMA)
- Raven (Quasimidi)
- div. Gitarren Stomp Boxes
- FX500 (YAMAHA)
- Atari 1040STE with Emagic NOTATOR XL